Dunkelzeit

Das Fenster läßt die Dunkelheit herein
Des Abends Kühle war schon hier
Denn alle Wärme floh mit Dir
Einsam war ich so noch nie, lediglich allein.
Man meint noch kurz, dass man sich kennt
Schon ist erneut alles verloren
Schwur nur wahr, so lang geschworen
Das einzig Feuer, das noch brennt
Ist Deine alte Kerze unter meiner Hand
Das letzte Licht, das noch nicht schwand
Dein Schatten hier an jeder Wand
Mehr ist mir nicht geblieben
Ich will sie für immer lieben
Wie das erste Ich, das ich erfand
In das Du Dich verliebtest
Nur das Nächste schon verriet es…

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Vorsatz – Nachtrag

Dieses Gefühl von Kater
Ist noch Rest
Den ich aus dem letzten Jahr
hinübertrag –
Dreikönigstag
Vatermutterkind –
Entspannung nach dem Fest
Mehr Gutes zum Vorsatz
Wieder mit dem Rauchen beginnen
wegen des Vorjahres, dem Nachtrag,
dem Gedanken ans Besinnen
Neue Fäden in
die alten zu verspinnen
Saldoübertrag
das Zeitvergehen beginnt
Jetzt folgt schon bald der Rest
Wir heben den Schatz
und die Gläser und singen
bis zum nächsten großen Vorsatz

Auf ein Neues

Auf ein Neues, hinterkippen
ein ganzes Jahr noch
hinter sich bringen
Ausschau halten nach den Dingen
die den schlimmen alten ähneln
Vergleichen wir diesen Sommer
wieder unsere Narben
spüren, dass sie nicht mehr quälen
doch fühlen, dass es der letzte sei
mit diesen viel zu hellen Farben
den Fabeln und Parabeln
von Momenten voller Zauberei

Und wie aus dem Augenblick gegriffen
liegt ein ganzes Jahr schon brach
hat´s nun hinter sich gebracht
und hat auch mich
wieder zwei Jahr altern lassen
Mal beiläufig erwähnen
dass es mich nicht zerbrach
Das hat auch dieses nicht geschafft
zwar ist der letzte große Sommer längst vorbei
trotzdem werde ich nicht hassen
was Hirn und Herz nicht fassen:
Vergangenheitsmomente, Zauberei!

Jahrestag

Ich war heut´ am großen Loch
In Deiner Erde, einstge Wohnung
Als Du sie verließt, so ohne Ahnung
Gab´s noch so viel Zeit, und so viel noch

Dein Haus, das Stadtansichten prägte
Ausblick bot, so wie verstellte
Zukunft hieß, doch sie entstellte
Stand betonfest, solang man in ihm lebte

Nun verschwindet dieser Ort
Jedes Stockwerk auf dem Herzen Blei
Gibt Sicht auf Deinen Himmel frei

Die Aussicht geht nun fort
Als Baumaschinenfutter
Wie die Erinnerung an Großmutter

Süffiger Abgang (Meistersonett)

15 Süffiger Abgang (Meister)

Nur vor dem Auftakt war ich blind
So wiegt der Anfang schon so schwer
Leichte Herzen seien immer leer
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Nach vergessenen Namen fragen
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
Doch am Ende war ich stets bemüht
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Den Blick zur Sonne gerichtet
Das leere Herz in hohler Hand
War stumm, bis ich zur Sprache fand

Wird neue Hoffnung erdichtet
Nur weil hier ein Ende beginnt
Was längst aus allen Poren rinnt?