Süffiger Abgang V: Irrlichter

5 Irrlichter

Nach vergessenen Namen fragen
Mit Blick hinter die Schlieren
Keinen Verstand mehr zu verlieren
Also weiter dürre Träume jagen

Die eh wieder nicht größer werden
Bei Tag sofort zerfasern
Selbstvergessen, was sie waren
Müssen sie – wie alles Schöne – sterben

Das in Richtung Sonne fliegt
Ihren Schein als Irrlicht kennt
Jeden Lidaufschlag verbrennt

Aufgeschlagen vor mir liegt
Nur in Gedanken fliegt und
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt

Süffiger Abgang IV: Zwischen die Zeilen

4 Zwischen die Zeilen

Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind
Einladung, zu lang zu weilen
im klammen Raum zwischen den Zeilen
such ich hier nichts als diesem matten

wahrheitsgetreuen Erinnern
es findet keine Worte
für fiktive Orte
die durchs Dunkel schimmern

Nie gehbare Gestalten haben
Von Innen an der Schale schaben
noch keine eigene Stimme tragen

So hör ich nur ein schüchtern
Ausgesprochnes Flüstern
Nach vergessenen Namen fragen

Süffiger Abgang III: Schattenwurf

3 Schattenwurf

Leichte Herzen seien immer leer
Bäume tun, als ob sie blühn
Lasst mich bloß den Kürzten ziehn
Fällt das Atmen noch so schwer

Bemüht, die Mühe zu genießen
sich bis oben zuzuknöpfen
Kraft aus Ruhe zu erschöpfen
auf staubgesaugten Wiesen

Die fehlen dieser Gegend sehr
Wie dem zurückgelassnen Kind
sanfte Atemzüge fehlen

so lauf ich Herzen hinterher
Die wundervoll erzählen
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Süffiger Abgang II: Gefühl

2 Gefühl

So wiegt der Anfang schon so schwer
Mit dem Beinah-Zuhaus-Gefühl
Im zärtlich-lauten Saitenspiel
brüchigharter Stimme nimmermehr

Doch jedes Wort ein ernster Schwur
erste Liebe; erstes Scheitern
erstes Horizonterweitern
Gefühl – Gefühl – L´amour

Nur ein leeres Herz ist leicht
Gerad wenn Heimat mir geschieht
Spielt irgendwer irgendwo Musik

Dann wirkt einmal nichts zu schwer
Und ich entscheide mich, vielleicht;
Leichte Herzen seien immer leer

Süffiger Abgang I: Sturm und Drang

1 Sturm und Drang

Nur vor dem Auftakt war ich blind
Erinner´ ich vom Hörensagen
Dann wollte ich ein Spielchen wagen
Das vor die Klassentür gestellte Kind

Wissen wollt ich, was man darf
doch bald darauf verstand ich
Nur das Verbot ist echt romantisch
Und dass die Zeit schon ihre Schatten warf

Dieses ganzes Sturm und Drang
Begann mir richtig erst am Ende
Als der ganze Zauber schwand

Als letztem, voller leerer Hände
Lief die Erinnerung mir hinterher
So wiegt der Anfang schon so schwer