Jahrestag

Ich war heut´ am großen Loch
In Deiner Erde, einstge Wohnung
Als Du sie verließt, so ohne Ahnung
Gab´s noch so viel Zeit, und so viel noch

Dein Haus, das Stadtansichten prägte
Ausblick bot, so wie verstellte
Zukunft hieß, doch sie entstellte
Stand betonfest, solang man in ihm lebte

Nun verschwindet dieser Ort
Jedes Stockwerk auf dem Herzen Blei
Gibt Sicht auf Deinen Himmel frei

Die Aussicht geht nun fort
Als Baumaschinenfutter
Wie die Erinnerung an Großmutter

Süffiger Abgang (Meistersonett)

15 Süffiger Abgang (Meister)

Nur vor dem Auftakt war ich blind
So wiegt der Anfang schon so schwer
Leichte Herzen seien immer leer
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Nach vergessenen Namen fragen
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
Doch am Ende war ich stets bemüht
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Den Blick zur Sonne gerichtet
Das leere Herz in hohler Hand
War stumm, bis ich zur Sprache fand

Wird neue Hoffnung erdichtet
Nur weil hier ein Ende beginnt
Was längst aus allen Poren rinnt?

Süffiger Abgang XIV: Lieblingsentwurf

14 Lieblingsentwurf

Was längst durch alle Poren rinnt
Gehört schon lange nicht mehr mir
Jeder Tropfen Liebe galt nur Dir
Endlich weißt Du, dass es stimmt

Und endlich wird auch mir klar
Vom vielversprechenden Anfang
Bleibt nichts als süffiger Abgang
Zähflüssig und viel zu wahr

Nun kommt der Mond so schrecklich nah
So lieg ich nächtlich wachsam da
Warte, dass der Traum erneut beginnt

Sterne stehen so fern wie je
Bloß jetzt kann ich die Chancen sehn
Nur vor dem Auftakt war ich blind

Süffiger Abgang XIII: Erinnerungsgewühl

13 Erinnerungsgewühl

Nur weil hier ein Ende beginnt
Red´ ich mir ein, ich sei bereit
Zum Teufelspakt mit dieser Zeit
Wer wohl diese Wette gewinnt

Schöne Tage an der Neige
Ist das letzte an Poesie
Die meinem Herzen Kraft verlieh
Zu glauben, es gäb uns beide

Doch die Bilder verlier´ ich
Im Moment des Betrachtens
Wo die Erinnerung verschwimmt

Die Hoffnung bleibt ein Irrlicht
Und Irrlichter entfachten
Was längst durch alle Poren rinnt

Süffiger Abgang XII: Zeit für immer

12 Zeit für immer

Wird neue Hoffnung erdichtet
Dort, wo ein Tag beginnt
Man die Sonne besingt
Weil sie unser Negativ belichtet

Wieder etwas Dur – l´amour
Träume einfach verklären
Bis sie Mittelmaß mären
Der Duchschnitt der Nabelschnur

Versuche, wie man Zeit entrinnt
Werden Wundheilung nur schwächen
Bloß die Entzauberung von Welt

Ist das einzige Versprechen
An das die Zeit sich hält
Nur weil hier ein Ende beginnt