Süffiger Abgang

1 Sturm und Drang

Nur vor dem Auftakt war ich blind
Erinner´ ich vom Hörensagen
Dann wollte ich ein Spielchen wagen
Das vor die Klassentür gestellte Kind

Wissen wollt ich, was man darf
doch bald darauf verstand ich
Nur das Verbot ist echt romantisch
Und dass die Zeit schon ihre Schatten warf

Dieses ganzes Sturm und Drang
Begann mir richtig erst am Ende
Als der ganze Zauber schwand

Als letztem, voller leerer Hände
Lief die Erinnerung mir hinterher
So wiegt der Anfang schon so schwer

2 Gefühl

So wiegt der Anfang schon so schwer
Mit dem Beinah-Zuhaus-Gefühl
Im zärtlich-lauten Saitenspiel
brüchigharter Stimme nimmermehr

Doch jedes Wort ein ernster Schwur
erste Liebe; erstes Scheitern
erstes Horizonterweitern
Gefühl – Gefühl – L´amour

Nur ein leeres Herz ist leicht
Gerad wenn Heimat mir geschieht
Spielt irgendwer irgendwo Musik

Dann wirkt einmal nichts zu schwer
Und ich entscheide mich, vielleicht;
Leichte Herzen seien immer leer

3 Schattenwurf

Leichte Herzen seien immer leer
Bäume tun, als ob sie blühn
Lasst mich bloß den Kürzten ziehn
Fällt das Atmen noch so schwer

Bemüht, die Mühe zu genießen
sich bis oben zuzuknöpfen
Kraft aus Ruhe zu erschöpfen
auf staubgesaugten Wiesen

Die fehlen dieser Gegend sehr
Wie dem zurückgelassnen Kind
sanfte Atemzüge fehlen

so lauf ich Herzen hinterher
Die wundervoll erzählen
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

4 Zwischen die Zeilen

Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind
Einladung, zu lang zu weilen
im klammen Raum zwischen den Zeilen
such ich hier nichts als diesem matten

wahrheitsgetreuen Erinnern
es findet keine Worte
für fiktive Orte
die durchs Dunkel schimmern

Nie gehbare Gestalten haben
Von Innen an der Schale schaben
noch keine eigene Stimme tragen

So hör ich nur ein schüchtern
Ausgesprochnes Flüstern
Nach vergessenen Namen fragen

5 Irrlichter

Nach vergessenen Namen fragen
Mit Blick hinter die Schlieren
Keinen Verstand mehr zu verlieren
Also weiter dürre Träume jagen

Die eh wieder nicht größer werden
Bei Tag sofort zerfasern
Selbstvergessen, was sie waren
Müssen sie – wie alles Schöne – sterben

Das in Richtung Sonne fliegt
Ihren Schein als Irrlicht kennt
Jeden Lidaufschlag verbrennt

Aufgeschlagen vor mir liegt
Nur in Gedanken fliegt und
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt

6 verglüht

In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
So fühl ich mir das Dunkel als Zuhaus
Seele atmet ein, nie aus
Kein Stern hat je die Zeit gespürt

Ich hab so viel geliehne Tage
so viel Welt, so wenig Poesie
In mir wie vormals nie
So stellt sich mir auch keine Frage

Was nützt dem Herze da ein Suchen
Vergebungsbitten, verfluchen
Es hat mit mir so heiß geglüht

Jetzt liegt es wieder wachsam da
Und der Mond kommt schrecklich nah
Doch am Ende war ich stets bemüht

7 Nach dem Aufschlag

Doch am Ende war ich stets bemüht
Mich nur sinnvoll zu verschwenden
Doch Sonnenstrahlen müssen blenden
Jeder Absturz scheint zunächst verfrüht

Das Hirn hat lang genug geblüht
Alles wegleben, was man kann
Bis im letzten Sonnenaufgang
Der Schein das Herz verglüht

Träume mich vom Himmel schießen
Mit Stich und Faden über den Rand
Ins Land, da Gift und Honig fließen

Wo Fragen nach dem Irgendwann
Mir an der alten Seele nagen
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

8 verweilen

Was lässt heut noch mein Herz erschlagen
Was trägt daraus noch Blüten
Schärft mir den Blick für Mythen
Diesem Ort vom Hörensagen

Dort wo Gift und Honig fließen
Will ich mich zur Ruhe legen
Ein zahmes Dasein pflegen
Das meine Träume gehen ließen

Nun endlich ein paar Takte Dur
An der Nachgeschichte schreiben
Bloß noch in Gesellschaft leiden

Waren die ganzen Tränen nur
Aus Angst vor Glück erdichtet
Den Blick zur Sonne gerichtet

9 Ohne Zeit

Den Blick zur Sonne gerichtet
Schatten suchend, ungebräunt
aufgeräumte Sinne suchend
Tagwerk bereits nachts verrichtet

Die Lust von einst
Wird Lust zu zweit, zu dritt
Man kommt bald wieder mit
Ohne Zeit, da man alleine ist

Schatten findend, umgeräumt
Die Reise allzubald vorbei
Zeit zu viert galt als zu zweit

Wir schwinden, ungeträumt
Fern von Sicht auf Land
Das leere Herz in hohler Hand

10 Ein schöner Zauber

Das leere Herz in hohler Hand
Wo unser Zauber sich erfand
Doch schon im Schlaf verschwand
Mir deine Hand ins Unbekannt´

Jetzt einfach ein Stück Seele speien
In eine Tüte im Vorsitz
Soll man schlimme Gedanken teilen
Dunkelheit erbricht im Geistesblitz

Turbulenzen bis über den Rand
Gewitterwolkenmanöver
Mörder im Gefühlsgestöber

Zu wenig geraucht und getrunken
in letzter Zeit, so meerversunken
War stumm, bis ich zur Sprache fand

11 Hoffnungsschimmer

War stumm, bis ich zur Sprache fand
Die zunächst so krächzte
anfangs noch untersetztes
willkürliches Wortgewand

Ein noch zu kleiner Ort
dieser Herzenskerne
Denn selbst, wenn er leer ist
Fasst er kaum ein ganzes Wort

Meidet Silben über Schwächen
Diesen Satz, der geschwärzt ist
Unter einem zarten Lächeln

Das jedes Zweifeln schlichtet
Erst wenn mich wieder Schmerz frisst
Wird neue Hoffnung erdichtet

12 Zeit für immer

Wird neue Hoffnung erdichtet
Dort, wo ein Tag beginnt
Man die Sonne besingt
Weil sie unser Negativ belichtet

Wieder etwas Dur – l´amour
Träume einfach verklären
Bis sie Mittelmaß mären
Der Duchschnitt der Nabelschnur

Versuche, wie man Zeit entrinnt
Werden Wundheilung nur schwächen
Bloß die Entzauberung von Welt

Ist das einzige Versprechen
An das die Zeit sich hält
Nur weil hier ein Ende beginnt

13 Erinnerungsgewühl

Nur weil hier ein Ende beginnt
Red´ ich mir ein, ich sei bereit
Zum Teufelspakt mit dieser Zeit
Wer wohl diese Wette gewinnt

Schöne Tage an der Neige
Ist das letzte an Poesie
Die meinem Herzen Kraft verlieh
Zu glauben, es gäb uns beide

Doch die Bilder verlier´ ich
Im Moment des Betrachtens
Wo die Erinnerung verschwimmt

Die Hoffnung bleibt ein Irrlicht
Und Irrlichter entfachten
Was längst durch alle Poren rinnt

14 Lieblingsentwurf

Was längst durch alle Poren rinnt
Gehört schon lange nicht mehr mir
Jeder Tropfen Liebe galt nur Dir
Endlich weißt Du, dass es stimmt

Und endlich wird auch mir klar
Vom vielversprechenden Anfang
Bleibt nichts als süffiger Abgang
Zähflüssig und viel zu wahr

Nun kommt der Mond so schrecklich nah
So lieg ich nächtlich wachsam da
Warte, dass der Traum erneut beginnt

Sterne stehen so fern wie je
Bloß jetzt kann ich die Chancen sehn
Nur vor dem Auftakt war ich blind

15 Süffiger Abgang (Meister)

Nur vor dem Auftakt war ich blind
So wiegt der Anfang schon so schwer
Leichte Herzen seien immer leer
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Nach vergessenen Namen fragen
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
Doch am Ende war ich stets bemüht
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Den Blick zur Sonne gerichtet
Das leere Herz in hohler Hand
War stumm, bis ich zur Sprache fand

Wird neue Hoffnung erdichtet
Nur weil hier ein Ende beginnt
Was längst aus allen Poren rinnt?

Mitteilen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s