Süffiger Abgang (Meistersonett)

15 Süffiger Abgang (Meister)

Nur vor dem Auftakt war ich blind
So wiegt der Anfang schon so schwer
Leichte Herzen seien immer leer
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Nach vergessenen Namen fragen
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
Doch am Ende war ich stets bemüht
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Den Blick zur Sonne gerichtet
Das leere Herz in hohler Hand
War stumm, bis ich zur Sprache fand

Wird neue Hoffnung erdichtet
Nur weil hier ein Ende beginnt
Was längst aus allen Poren rinnt?

Süffiger Abgang VI: verglüht

6 verglüht

In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
So fühl ich mir das Dunkel als Zuhaus
Seele atmet ein, nie aus
Kein Stern hat je die Zeit gespürt

Ich hab so viel geliehne Tage
so viel Welt, so wenig Poesie
In mir wie vormals nie
So stellt sich mir auch keine Frage

Was nützt dem Herze da ein Suchen
Vergebungsbitten, verfluchen
Es hat mit mir so heiß geglüht

Jetzt liegt es wieder wachsam da
Und der Mond kommt schrecklich nah
Doch am Ende war ich stets bemüht

Düster – Regen

 

Niederschlag
gegen die Einsamkeit
schreiben wir an
bis wir sie auswendig kennen
sie perfekt intonieren
diese Traumlieder über Sehnsucht
die ja doch nur
an dunklen Tagen funktionieren,
wenn eh alles nach Regen schmeckt

trinken düster Bier
Gläser voller Zeit
auf paralleles Leben
auf Träume in Wasserfarben
die unsere Handschrift haben
auf Nähe im Weit
auf ein Dort im Hier
bis zum nächsten trüben Regen
unserem buntverschmierten Fleck

Düster – Schreiben

 

Bei einem düstren Bier
schreiben wir
gegen Einsamkeiten an –
Alles schmeckt nach Regen
nur das Reden haben wir
eingestellt
bis auf ein paar Flecke
schwerer Wörter.
Ob die Stille je gestört hat?
Und wie man sie hier nennt?

Eigentlich liebe ich
immer schon
am meisten die Narren,
den Hauch Zauberei
an vergeßlichen Tagen,
und die lose Malerei
in all diesen Sprachen,
die sonst keiner kennt.