Playamar

Der Strand, die Straßen laut bis zwei
Wände hellhörig noch bis vier
Doch dann nur noch diese Zeit
Da auch das Meer verschnauft

Braungebräunt spricht man oft zu schnell
Doch Zahlen sind universell
Jetzt sind die Schwäne wieder zu zweit
Den Ringflamingo weiterverkauft

Seit dreißig Jahren schon ist hier
Die Zeit ja auch schon längst vorbei
Nur die Sonne scheint hell und breit
Und wie alles auch schon leicht gebraucht

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Die Utopie des Ichs

Ich bin das Ich
das dies erlebt
ein schutzloses
das kein Geheimnis hat
sich darin zu verstecken
Was wär es ohne Wörter
die es erfindet, bei sich trägt
ohne Leerzeichen dazwischen
Dieses Ich, es geht
herum und hat es schwer
denn wo fängt das Erfinden an
wo hört die dünne Haut auf
auf die die Zeiten ihre
Zeichen kerben
Dieses Ich besteht
aus Trauer und Papier
aus allen Möglichkeiten
ohne Leid zu sterben
doch dieses Ich
besteht ja auch aus mir

Nistplatz Herzgewölbe

Du fährst mir zwischen meine Zeilen
Wenn Dein Zauber duftet
Du mir jede Luft bist
Ziehst Du mich aus der Leere fort
Schaffst einen Ort uns zum Verweilen
Wo wir beiden [unleserliches Wort]

Komm leg‘ mir den schönen Kopf und deine
Schweren Stunden auf die Schulter
Danke, dass Du so viel Geduld hast
Mich wirklich zwischen jedem Satz liest
So vergesse ich das Wort alleine
Weil Du mein Seelenfortsatz bist

Ich hatt‘ mich einfach so zu Dir gelegt
Und als wir in der Stadt des Ziegenkäses schliefen
Kartografierten wir uns alle unsre Tiefen
Erfanden es ganz neu zu lieben
Ach, zu wenig von dem, das mich bewegt
Steht jetzt wirklich hier geschrieben

Halbschlaf

Die ganze Nacht im Halbschlaf
Mit auf links gedrehtem Herzschlag
Als Geistergestalt lieg‘ ich da
Sehr kalt spür‘ ich die Ferne nah
War nachts stets tiefer als am Tag

Wirre Träume aus Erinnerung und Sehnsucht
Die Lust zur Flucht nutz‘ ich nie gerne
Wo soll ich ohne mich auch hin
Aller Sinn und Unsinn der mich kreist
Ist Teil von einem müden Geist
Der die Sucht nach Zeit verbarg
Indem er zu oft zu den Sternen sah

Leibgedächtnis

In der ansonst entspannten Hand
verkrampft ein zitternd Stift zum Leid
wiegt in meiner Leere schwer wie Zeit
weigert jeden Strich über den Rand
wo verlorenes Paradiese dauert
sich Ewigkeit in Grenzen hält
einem immer noch was einfällt
hinter der koronaren Mauer
     doch die Worte sind schon schrumplig und blind
     von trockenverschwiegenen Tränen
     gestoßen und genutzt an jenen
     die mir zu groß geworden sind

Jetzt habe ich Abend mal genug
– und endlich endlich keine Zeit –
steht das Gedächtnis schon bereit
zählt die Fragen nach Lug und Trug
mir in die heut´ wieder scheue Hand
Dass wir mal gute Freunde waren
merkt man, wie alles, erst nach Jahren
Hab´s nicht vermisst als es verschwand