Post Skriptum

Dies ist keine Kunst, sondern nur eine Begleiterscheinung.“

Was ist denn dieses, das wir Kunst zu nennen gewohnt sind? Hat nicht ein jeder, der nach diesem Begriffe befragt, spontan eine allzu richtige Ahnung von dem gemeinten Gegenstande? Ein jeder also, so sei behauptet, kann also ein innerliches Bild hiervon entwerfen, doch wie viele könnten, zumal unvorbereitet, dieses Bild durch eine Beschreibung dessen, durch eine Erläuterung ihrer Empfindungen gegenüber Kunst, einem Außenstehenden verständlich machen? Und wie kann aus einer solchen Herangehensweise an einen so scheinbar primär subjektiv geprägten Gegenstand, ein zunächst für alle, insbesondere aber vollkommen eindruckslos Neugierige, handhabbarer Begriff entstehen?

Kunst käme ja nach wie vor von Können, sagen die einen; Kunst käme vor allem von Kosten hingegen ein paar andere. In letzterer Aussage spiegelt sich zumeist schon eine an den Kulturdiskurs gekettete Gesellschaftskritik wider, die im weiteren Sinne eben auch jene Gedanken, die sich hier gemacht werden sollen, leider schon als gemacht und anerkannt oft stillschweigend voraussetzt.

Dieses Können allerdings führt die Betrachtung doch ganz unwillkürlich an den Kern heran, denn ein Können ist solange bloß unnütze Theorie, wie niemand über ein solches Können vermag. Es muss also von jemandem etwas gekonnt werden; jemand muss diese Kunst erschaffen können.

Der Kunst fehle ja in der Regel etwas ganz Selbstverständliches, so wird oft behauptet, nämlich der Nutzen. Das stimmt auf eine Art natürlich sehr: so können wir nicht ohne weiteres, bei näherer Betrachtung schon gar nicht, in der Natur wirklich Künstlerisches (vielleicht im Sinne des Künstlichens?) finden, denn hat nicht alles, sei es noch so fragwürdig zunächst, sei es auch noch so ästhetisch oder verblüffend, einen unbedingten Nutzen mit allem um sich herum? Auch, und oft gerade wenn dieser sich dem Menschen nicht unmittelbar offenbart. Im Wechselspiel mit anderem, im allerkleinsten bis in das wirklich Große und Ganze hinauf, erfüllt alles in Art und Gestalt einen Zweck. Denn auch willkürliche Abweichungen von einer scheinbaren Norm können durchaus als nützlich angesehen werden: so ist ein individueller Nachteil bisweilen ein Vorteil für ein anderes Individuum. Ebenso kann ein individueller Vorteil, im eigenen Genpool oder in seiner unmittelbaren Umgebung, sich als Keimzelle des Erfolges einer ganzen Population erweisen. Somit können also diese scheinbar willkürlichen Abweichungen auch ganz unmittelbaren Nutzen haben.

Kunst sei also, nach diesem Ausschluss-Kriterium, etwas mensch-gemachtes (eventuell ist dieser Begriff schon zu einschränkend einerseits und zu ethnozentrisch gewählt, inwiefern lediglich Angehörige der Gruppe Mensch zu untenstehenden Voraussetzungen fähig sind, vermag nicht abschließend betrachtet zu werden).

Etwas von Menschen Gemachtes, aber auf keinen Fall alles von Menschen Gemachtes, so soll an dieser Stelle weiter eingeschränkt werden. Weitere Bedingungen sind also zu finden, zumal erst einmal obige des Nutzens hierauf zu übertragen wären. Schafft also ein Mensch einen Gegenstand unmittelbaren Nutzens (oder überführt einen bereits vorhandenen, auch natürlichen, in einen solchen), so ist dies zwar schon eine Form eines schöpferischen Aktes, der selbstverständlich auch ein Können voraussetzt, aber das Produkt noch nicht unbedingt als Künstlerisches anzusehen, wenngleich von künstlich im weitesten Sinne durchaus schon gesprochen werden kann.

Hier geschieht also eine Abgrenzung ähnlicher Begriffe:

„Künstlich“ soll hier als nicht-natürlich verstanden werden, ist also etwas „von Menschen Gemachtes“. Dies sollte allerdings nicht allzu randscharf verstanden werden: wie oben gesehen sollen andere Lebensformen nicht per definitionem ausgeschlossen werden, obwohl diese Kriterien alle auf sie zutreffen könnten. Andererseits bleibt die alte Frage offen, wann „Natur“ aufhört, wenn man den Menschen durchaus berechtigterweise als einen Teil der Natur ansieht und somit auch seine selbstgeschaffenen Produkte als ein (zumindest mittelbares) Ergebnis natürlicher Prozesse.

Man spricht hier oft von einer Opposition von Natur und Kultur. „Kultur“ sei hierbei all jenes, was nicht direkt aus der Natur hervorgeht, also pauschal gesagt all jenes, was eine Art von Kultivierung voraussetzt.

Dieser Gedanke macht ja auch genealogisch durchaus Sinn. Ein kurzer Abriss: Das Zusammenleben in größeren Gruppen und deren Kommunikation über ihre unmittelbare Umwelt, wie über Gefahren oder eine koordinierte Gruppenorganisation, erleichterte den Kampf um das Überleben unserer Vorfahren. Die Kommunikation und somit die Effizienz der Gruppe, wurde nach und nach besser, Arbeitsteilung führte zu Spezialisierung, effektivere Vorangehensweisen in allen Bereichen zu mehr Zeit, zu Freizeit, ein purer Luxus im Überlebenskampf.

Freie Zeit will gefüllt werden, zu aller erst mit naheliegendem, also mittelbar Nützlichem: Durch Versuch und Irrtum (welcher aufgrund seines Versuchscharakter nicht den sofortigen selektierenden Tod mehr bedeuteten musste) konnten neue Techniken in allen Bereichen entwickelt werden: Beispielsweise kann das Jagen besprochen werden, oder auch Geräte erfunden, gebaut und getestet werden, die z.B. zu einer besseren Ernte von Nutzpflanzen führen, zu besseren und sichereren Behausungen und anderes mehr. Diese Sicherheiten der Versorgung sorgen für höhere Population und zu noch mehr Ideen.

All das muss innerhalb der Gruppe tradiert werden, auch die Sprache muss also noch funktionaler werden, um Wissen abstrakt machen zu können, beispielsweise das Jagen also ohne Risiko vermitteln zu können. Auch in diesem Beispiel der Wissensvermittlung liegt schon etwas, das an Kunst denken lässt, etwa die alten Zeugnisse früher Menschen, die Höhlenzeichnungen, die wohl oft ein ganz alltägliches Leben (und Überleben) der Urheber darstellen.

Irgendwann beginnt man eventuell, nicht bloß Worte für Dinge und Tätigkeiten des unmittelbaren Überlebens zu gebrauchen, sondern will vielleicht auch andere Dinge ausdrücken, abends am Feuer die lustigen Geschehnisse der letzten Zeit erzählen, den anderen Dinge erklären, die örtlich weiter entfernt liegen und die die anderen noch nie gesehen haben. Laute, Gestik, Mimik wird gebraucht, ein Stück Kohle um auf Stein zu zeichnen, mit einem Stock in Sand oder Asche, der Erzähler muss kreativ werden, um den Zuhörern zu beschreiben, was diese noch nicht kennen.

Die Bedingungen, die Handwerke der Künste sind also mit der zunehmenden Kultivierung des Menschens und seiner Umwelt vorhanden, noch aber immer nützlich. Doch der nächste Schritt, wohl anfangs eher noch zufällig gegangen, liegt doch auf der Hand: man übertreibt die Kohlezeichnung des Löwens oder das fremdartige Aussehen des gegnerischen Stammes, weil die Zuhörer so noch viel überwältigter sind von den Geschichten. Man erfand also, man schöpfte aus der Fantasie, sprach allmählich über Dinge, die nicht existierten; einen Nutzen hatte das vielleicht nicht, vielleicht aber auch einen der wichtigsten, den die Menschen haben: die Unterhaltung.

Selbstverständlich ist es schwer, hierüber wirklich Aussagen zu treffen, die über ein bloßes Vermuten hinausgehen: Funde aus der Wiege der Zivilisation werfen wohl bisweilen mehr Fragen auf, als sie beantworten können: Gegenstände, die die Zeit überdauerten, lassen darauf schließen, dass es Jäger und Sammler und wahrscheinlich einiges mehr gab. Wer da allerdings wie wann wo wie oft und aus welchen Gründen gejagt und gesammelt hat, und vor allem, was es eventuell hierüber hinaus für Aufgaben gab, können wir nicht wissen. Gruppenkoordination durch Anführer, Kinderaufzucht, Unterhaltung und alles an rudimentären Dienstleistungen hinterlassen nicht unbedingt gegenständliche Zeugnisse, ebenso wie gesellschaftliche Ordnung im Kleinen und ähnliches, sie verbleiben somit im Raum unserer eigenen, von unseren persönlichen Lebensumständen und Weltansichten geprägten, Vorstellungen und Interpretationen.

Ich bleibe bei Spekulationen, will aber auf den Kunstbegriff zurückkommen: Oben wurde behauptet, Kunst sei mensch-gemacht und sein Nutzen liege nicht unmittelbar im Überleben, auch wenn Unterhaltung natürlich ebenfalls durchaus einen Nutzen hat, vielleicht sogar einen, der lange Zeit in seiner Wichtigkeit für den Menschen und sein soziales Leben unterschätzt wurde.

Es scheint also, gerade im Rückblick auf den Prozess einer Entwicklung von Kunst, überaus schwierig, eine Definition an solchen äußerlichen Merkmalen festzumachen: sind die Büffelzeichnungen an der Höhlenwand künstlerischer Ausdruck, Illustrationsmittel für Jagd-Geschichten, Langeweile entspringender Beschäftigung oder unverzichtbarer Teil der Tradierung erlernten Wissens im kollektiven Gedächtnis? Es spricht wohl sehr vieles für letztere Annahme, bedenkt man den zu betreibenden Aufwand und stellt ihn dem Nutzen gegenüber.

Doch ein für Kunst notwendiges Handwerk, eine Form des Könnens, ist somit erreicht!

Eine weitere Bedingung scheint in irgendeiner Form also auch Handwerk zu sein: etwas wird hergestellt, was vorher nicht gewesen ist und es hat keinen offenkundigen dringenden Nutzen. Dies ist nicht allzu gegenständlich zu verstehen, auch kann Kunst durchaus immateriell sein, etwa obiges Beispiel einer unterhaltenden Rede am Feuer, heute würde man eventuell Performance-Kunst oder so was sagen. Nicht vergessen sollte man das Theater, das in seinen Anfängen auch ohne Texthefte, Bühnenbilder und große Gebäude darum herum auskam.

Jetzt scheinen wir reichlich entfernt von einer allgemeinen Lösung angelangt. Kunst ist irgendwie etwas, was über das allgemein Nützliche im engeren Sinne hinaus geht.

Wenn ein notwendiger wie funktionaler Gegenstand zusätzlich mit Ornamenten verziert wird, so kann dies durchaus als Kunst angesehen werden, selbst dann, wenn es nicht die Absicht des Produzenten war. Dieser hat vielleicht aus Versehen etwas hinzugefügt, oder ausprobiert, ob auf diese Weise eine Verbesserung in funktionaler Sicht zustande kommt. Wie es sich genau mit der Absicht des Produzenten, des Künstlers, verhält, ist im Übrigen problematischer, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Die anderen, die Konsumenten, oder auch nur Beobachter, erkennen vielleicht nicht gleich die Absicht, die in diesem Zuviel, dem Zuwenig, der Art und Weise der Herstellung oder Problemlösung und alles ähnliche, liegt. Doch unterstellen sie doch aber eine Absicht. Sonst hätte man es ja nicht so getan, wenn man keine Absicht gehabt hätte. Sie wollen also einen Nutzen finden in diesem erstmal unnützlich erscheinendem. Sie verstehen nicht.

Nun haben sie verschiedene Möglichkeiten, auf dieses Unverständnis zu reagieren:

Sie können das Produkt aufgrund seiner Unnützlichkeit ablehnen, vom Produzenten ein neues Produkt fordern, das die geforderten Bedingungen erfüllt.

Zum Beispiel können sie auch aufgrund der unerfüllten Erwartungen an die Nützlichkeit an den handwerklichen Fähigkeiten des Produzenten zweifeln.

Oder sie können beispielsweise in diesem zunächst Unnützlichen einen neuen Zweck suchen, der vielleicht auf den zweiten Blick tatsächlich vorhanden ist. Der Produzent würde auf diese Art zum innovativen Erfinder.

Oder sie finden gar keinen Nutzen darin, sehen aber genau hierin dessen Vorzüge, weil es so anderes bewirkt: sie denken darüber nach. Eventuell ist es ästhetisch ansprechend oder persifliert in seiner Unnützlichkeit schlechte Handwerker oder oder oder.

So oder so, es ist ein neuer Zweck entstanden durch die Zuschreibung eben dieses Zweckes durch die anderen, sie halten den Handwerker nun womöglich für besonders begabt und besonders clever. Aber er hat vor allem eines getan: Mithilfe des Produzierens kommuniziert.

Er hat auf einer Ebene durch sein Werk kommuniziert, die über den bloßen Gegenstand hinausgeht. Also ist er auch kein bloßer Handwerker mehr, er ist nun Künstler.

Mit Kosten scheint also Kunst bis hier hin noch nicht viel zu tun zu haben. Diese Kosten sind wohl ein einfacher Reflex des Publikums, den durch sie geschaffenen neuen Zweck eines Produktes anhand eines in Zahlen ausdrückbaren Wertes zu spiegeln. Sie „schätzen es Wert“. So läuft es eben mittlerweile in der Welt, in unserer monetarisierten Gesellschaft.

Mit Können scheint Kunst aber durchaus zu tun zu haben, ein bewusstes oder unbewusstes Missachten von Konventionen setzt Handwerk voraus, wenn teilweise auch ein absolutes Mindestmaß hiervon schon Erfolge nach sich ziehen kann. Vielmehr kommt es auch etwas ganz anderes an, was bisher ja schon mitschwang:

**Kunst ist Kommunikation**

Man kann sich selbstverständlich ganz alleine eines Handwerks bedienen, etwas Materielles oder Immaterielles produzieren, hiermit Produktions-Konventionen einhalten oder brechen, etwas für sich oder für andere Nützliches oder Unnützliches herstellen. Man kann es, ganz für sich allein, im Sinne der Herstellungsintention verwenden oder eben nicht. Aber Kunst wird es dadurch leider noch nicht, unabhängig des Gegenstandes und dessen zugesprochenen Zwecks.

Für diesen selber hat der Gegenstand Funktion und Bedeutung, als Kunst oder eben etwas anderes. Aber ohne die anderen ist das nicht viel wert, gleich der Idee, sich eine eigene Sprache auszudenken, alles neu und anders zu benennen: man selbst weiß dann natürlich, was man mit den neuen Benennungen meint (aber das weiß man ja eh), aber das nützt natürlich nichts, der Zweck der Sprache kann nicht erfüllt werden, da sie ohne ein verstehendes Gegenüber ins Leere läuft. Man braucht also mindestens ein Gegenüber, das die Kommunikation versteht, das also die künstlerische Intention anerkennt (oder eben nur unterstellt), um wirklich Kunst zu erschaffen.

Glaubt er die Intention, so ist man ein Künstler;

unterstellt er diese Intention nur, so ist man zumindest in dessen Augen ein Künstler;

glaubt er sie, ob vorhanden oder nicht, nicht, so ist man kein Künstler;

und glaubt er die Intention, obwohl man sie nur behauptet, so ist man ein Schwindler.

Abschließend ein Beispiel:

Ich bin ein mehr oder weniger anerkannter Schriftsteller, zumindest halte nicht nur ich mich für einen, habe schon von mir Geschriebenes publizieren können, aber selbstverständlich auch sehr vieles geschrieben, was nicht publiziert wurde.

Nun sterbe ich natürlich irgendwann; ein Freund von mir als mein Nachlassverwalter kümmert sich um mein geistiges und kommerzielles Erbe. Und findet nun einen ganzen Haufen von Schriften, von denen er nicht weiß, was ich hiermit vorhatte (vielleicht hatte ich auch vor sie zu verbrennen oder sie lagen schon im Müll…). In bester Absicht natürlich veröffentlicht er also posthum diese ganze Schreibarbeit, die hauptsächlich nur aus Texten besteht, die ich aus reiner Sentimentalität aufgehoben hatte und die niemals zur Publikation bestimmt waren, da von mir nicht als Kunst intendiert oder anerkannt, in meinem Namen.

Einem möglichen Publikum gefällt es (womöglich ja sogar besser, als mein eigentliches Vermächtnis), es nimmt dieses alles als Kunst an, was nie als solche entstand. Ich selbst kann es aber nicht mehr richtigstellen, der aushandelnde Diskurs findet aus oben genanntem Grund natürlich ohne mich statt. Derjenige, der in bester Absicht veröffentlicht, mein Freund, beteiligt sich vielleicht in meinem Namen an diesem Diskurs, ohne scheinbar meine wahren Absichten zu beachten oder gar zu kennen.

Aber die Frage bleibt, aufgrund der Annahme, dass Kunst vor allem Kommunikation sei, ob es nun in letzter Konsequenz Kunst ist oder nicht. Und bin ich noch oder wieder oder überhaupt Künstler, wenn ich als Urheber nicht in den Diskurs trete oder treten kann. Das mutet doch also sehr kafkaesk an..

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Plattengedanken I

Es dunkelt rasch.
Von rechts.
Wird kalt aus jeder Richtung.
Ein Summen,
Wie von Geisterhand,
Und fast als wäre es gewollt.
Dazu ein krankes Schreien nun
Aus unerkannter Weite:
Unwirkliche Zeit
Umfließt die Knöchel sanft
Versucht dies zu umrahmen.
Die Kippe lässt sich zügig rauchen –
Schicksalsträchtig,
Und bedeutungsschwanger noch dazu.
Ein fremdes Auto
Pirscht sich bald heran
Im eignen Lichterkegel
Fährt gehaltvoll still an mir vorbei,
Zeit verschwimmt:
Zeiten rauschen laut
Im letzten Sonnenstrahl
Winternachmittags!
Dann Nacht.
Uneinschätzbares Wetter
Gesellt sich zu den Winden
Die heut nichts mehr künden können.
Der Sinngehalt,
Steht bereit,
Vermischt sich mit dem Bellen
Eines fernen unbeholfnen Hundes
Der auch bloß
Gegen diese Einsamkeiten kämpfen scheint.
Asche fällt gen Boden und erkaltet,
Trifft auf stummen Asphalt,
Ich bin müde.

Auf geborgten Flügeln

Auf geborgten Flügeln

 

Wir stehen einen Meter nur vom Abgrund entfernt und schauen flüchtig unserem eigenen Verderben entgegen. Offenen Auges streiten wir noch das sicher bevorstehende Ende ab, nicht weil wir es nicht wahr haben wollten, sondern viel mehr, weil uns einfach nichts anderes mehr übrig bleiben darf!

Perspektive bleibt Perspektive. Wohl selbstnn noch, wenn es nur noch abwärts gehen kann. Und selbst dann noch, wnn wir es nicht einmal selbst waren, die immer schon öher flogen als ihre schmächtigen, geborgten Flügel sie zu tragen vermochten! Nun sind wir also tatsächlich in einem Moment angekommen, in dem nichts übrig zu bleiben scheint, als diesen Schritt zu gehen. Wir glauben zu wissen, dass es immer weiter gehen muss.

Stillstand heißt Rückschritt!

Rückschritt heißt Fehltritt.

Fehler heißt sterben!

Der Blick zurück ein weiterer Schritt in Richtung Untergang also. Es wird doch schon noch irgendwie weitergehen, es ging ja schließlich immer irgendwie weiter. Die Generation der Abgetriebenen, der Verdammten und der Hoffnungslosen, wer gibt sich schon gerne selbst solche Namen? Die Wunder dieser Zeit scheinen alle aufgebraucht… die kleinen Wohlstandsinseln sind alle auf Kredit finanziert, die Straßen, die für uns gebaut wurden führen doch alle nur ins Nichts, doch immerhin sind sie beleuchtet. Offenen Auges und verschlossenen Herzens leben wir in Richtung Zukunft.

Eine Generation, der der niemand gesagt hat wie dieses verdammte Leben denn nun zu funktionieren hat, steht vor euch und dass einzige, dass ihr uns noch zu sagen habt, sind die alten Ausflüchte, ist der alte Glaube, dass es schon irgendwohin weitergehen wird. Wir müssten es nur eben wagen weiterzugehen, selbst dann noch, wenn wir berechtigterweise zweifeln an euren hoffnungslosen Worten.

Herz und Hirn aus Glas



Fasern nur aus Glas

Und voller Eingeweide

Voll von Herz und Hirn

Und dem Gefühl des Eingeweihtseins

Verstopft von solch‘ Empfindlichkeiten

In die nur das Netzwerk selbst versetzt

 

Drähte voll von Galle

Ziehen sich durchs Land

Verbinden und verstümmeln

Uns wirklich alle

Von Ost nach West zurückgesandt

 

Fäden nur aus Lug

Ziehen sich durch Freundeslisten

Voll von Glück und Segen

Und dem Trug des Eingeweihten

Zerbarst das Herz mit allen Eingeweiden

Das nur das Netzwerk selbst ersetzt