Dunkelzeit

Das Fenster läßt die Dunkelheit herein
Des Abends Kühle war schon hier
Denn alle Wärme floh mit Dir
Einsam war ich so noch nie, lediglich allein.
Man meint noch kurz, dass man sich kennt
Schon ist erneut alles verloren
Schwur nur wahr, so lang geschworen
Das einzig Feuer, das noch brennt
Ist Deine alte Kerze unter meiner Hand
Das letzte Licht, das noch nicht schwand
Dein Schatten hier an jeder Wand
Mehr ist mir nicht geblieben
Ich will sie für immer lieben
Wie das erste Ich, das ich erfand
In das Du Dich verliebtest
Nur das Nächste schon verriet es…

Süffiger Abgang XI: Hoffnungsschimmer

11 Hoffnungsschimmer

War stumm, bis ich zur Sprache fand
Die zunächst so krächzte
anfangs noch untersetztes
willkürliches Wortgewand

Ein noch zu kleiner Ort
dieser Herzenskerne
Denn selbst, wenn er leer ist
Fasst er kaum ein ganzes Wort

Meidet Silben über Schwächen
Diesen Satz, der geschwärzt ist
Unter einem zarten Lächeln

Das jedes Zweifeln schlichtet
Erst wenn mich wieder Schmerz frisst
Wird neue Hoffnung erdichtet

Süffiger Abgang VIII: verweilen

8 verweilen

Was lässt heut noch mein Herz erschlagen
Was trägt daraus noch Blüten
Schärft mir den Blick für Mythen
Diesem Ort vom Hörensagen

Dort wo Gift und Honig fließen
Will ich mich zur Ruhe legen
Ein zahmes Dasein pflegen
Das meine Träume gehen ließen

Nun endlich ein paar Takte Dur
An der Nachgeschichte schreiben
Bloß noch in Gesellschaft leiden

Waren die ganzen Tränen nur
Aus Angst vor Glück erdichtet
Den Blick zur Sonne gerichtet

Süffiger Abgang VII: Nach dem Aufschlag

7 Nach dem Aufschlag

Doch am Ende war ich stets bemüht
Mich nur sinnvoll zu verschwenden
Doch Sonnenstrahlen müssen blenden
Jeder Absturz scheint zunächst verfrüht

Das Hirn hat lang genug geblüht
Alles wegleben, was man kann
Bis im letzten Sonnenaufgang
Der Schein das Herz verglüht

Träume mich vom Himmel schießen
Mit Stich und Faden über den Rand
Ins Land, da Gift und Honig fließen

Wo Fragen nach dem Irgendwann
Mir an der alten Seele nagen
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Süffiger Abgang II: Gefühl

2 Gefühl

So wiegt der Anfang schon so schwer
Mit dem Beinah-Zuhaus-Gefühl
Im zärtlich-lauten Saitenspiel
brüchigharter Stimme nimmermehr

Doch jedes Wort ein ernster Schwur
erste Liebe; erstes Scheitern
erstes Horizonterweitern
Gefühl – Gefühl – L´amour

Nur ein leeres Herz ist leicht
Gerad wenn Heimat mir geschieht
Spielt irgendwer irgendwo Musik

Dann wirkt einmal nichts zu schwer
Und ich entscheide mich, vielleicht;
Leichte Herzen seien immer leer