es herbst

​Herbstende im Nachtlicht

der erste Wintermond bricht schlicht

auf graue Asphaltdecke,

was ich zu spät entdecke

  Ist ein Sommer voller Enden

  letztes Mal die Jugend so verschwenden

  als gäb´s gar keine Zeit

  die für Augenblicke stehenbleibt

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Des Königs Exil

 

Der alte König in seinem Exil

Vergessen Vernunft

Vergessen das Leben

das von Kindesbeinen an

stetig gesucht –

und viel zu früh schon verloren.

 

Vergessen das Leben

das scheinbar gewählt

das scheinbar gewollt

das scheinbar gestorben

Vergessen die Angst

 

doch erinnert des Lebens,

des Lachens, des Weinens,

erinnert der Freude

am kindlichen Sein,

am Entdecken der Freiheit.

Entdecken der Welt –

nur ohne Furcht diesmal –

vor Zukunft und Früher;

 

erinnernd vergessen,

vergessend erinnern.

Kindesbeine in beigen Schuhen

so wandert er wieder:

Der König in seinem Exil

 

Der Blick wieder offen

Die Welt wieder weit

Alles wird größer

Man selbst wieder klein

Auch hilflos beizeiten

(unbeholfen so oft)

Fremd werden die anderen

Und fremd auch die Jungen

Bald Flucht in die Lieder

die so lang nicht gesungen

vertraute alte Gesänge

Inmitten neuer Welt

In der ihn Faszination nur noch hält

So wandert er wieder

Der alte König in seinem Exil

In frühen Jahren

Suche nur nach meinen Worten:

Nach der alten Sprache, meiner letzten,

Wühlen durch Erinnerungsfetzen

an längst verlebten Orten.

Fühle noch das alte Herz;

in meiner alten Brust den alten Rhythmus schlagen

und mich, wie in diesen letzten Tagen

               und schon wieder wird es März…

 

Oder eben grad ein and´rer Monat, meinetwegen:

Profane Reime (allenthalben) wieder wagen,

Herz auf Schmerz, ganz wie in den frühen Jahren

als wären die Momente nie real gewesen.

Die zwischen uns         zwischen mir;

und die inzwischen zwischen allem stehen,

die wir, doch heute, längst nicht mehr verstehen

Doch waren´s Worte nur. Wir. Heute. Hier.

 

Hier, nur in den frühen Jahren.

Heute, nur wir selbst geblieben.

Worte bleiben auf den Zungen liegen,

sind auch nicht mehr was sie einst waren.

Spüre noch das alte Herz;

das alte Ich; das alte Hirn; das alte Leben

in einer schön´ren Zukunft, gerade eben:

            Das Versprechen, nur ein schlechter Scherz!

 

 

Soll ich also nur noch trauern, heute,

und Atemzug um Zug an damals denken?

Die Gedanken an ein früher nur verschwenden,

denn tatsächlich, ich vermiss die Leute.

Das ist nun dieses Leben, bis hierher;

man lebt, man stirbt; hat sich genähert und entfernt

Und mit der ganzen Zeit Vermissen nur gelernt

Was bleibt? Auf eine Art bleibt es für immer schwer…

Plattengedanken I

Es dunkelt rasch.
Von rechts.
Wird kalt aus jeder Richtung.
Ein Summen,
Wie von Geisterhand,
Und fast als wäre es gewollt.
Dazu ein krankes Schreien nun
Aus unerkannter Weite:
Unwirkliche Zeit
Umfließt die Knöchel sanft
Versucht dies zu umrahmen.
Die Kippe lässt sich zügig rauchen –
Schicksalsträchtig,
Und bedeutungsschwanger noch dazu.
Ein fremdes Auto
Pirscht sich bald heran
Im eignen Lichterkegel
Fährt gehaltvoll still an mir vorbei,
Zeit verschwimmt:
Zeiten rauschen laut
Im letzten Sonnenstrahl
Winternachmittags!
Dann Nacht.
Uneinschätzbares Wetter
Gesellt sich zu den Winden
Die heut nichts mehr künden können.
Der Sinngehalt,
Steht bereit,
Vermischt sich mit dem Bellen
Eines fernen unbeholfnen Hundes
Der auch bloß
Gegen diese Einsamkeiten kämpfen scheint.
Asche fällt gen Boden und erkaltet,
Trifft auf stummen Asphalt,
Ich bin müde.

Nachtregen

Mein Kopf ist leergeschwemmt
Wie nach ´nem endlich endlosem Regen
Wie nach dem lang ersehnten alles zerstörenden Beben
Wie nach der Lawine die dies´ ganze Sehnen einfach mit sich nimmt
Nichts übrig lässt von mir
Mit all meinen abgenutzen Problemen
Meinen Trugbildern, meinen Schemen
Dem Schatten, den ich selbst auf meine Seele projizier´
All dem selbstprovozierten Mist
Der, na klar, immer noch vorhanden ist
Unter schönem Sein
Und dem bisschen Geröll
In den Pfützen noch stinkt
Ich hör ihr Gebrüll
Und ich hör das leise Wimmern
Das mir sagt; es ist nicht vorbei
Die Tränen trocknen und das Lächeln versiegt
Selbst wenn all das unter Oberfläche liegt
Es kommt nach, wird sich wieder erheben
Wieder Teil von mir sein
Und auch Teil von diesem „hier leben“
Wird mich wieder erreichen
Sich in die verdammt gereinigte Seele einschleichen
Ohne Rücksicht zu nehmen
Auf jeden weiteren reinigenden Regen
Lässt sich nicht nochmals verschwimmen
Von ein paar Tropfen Schweiß und einem Eimer voll Tränen
Von ein wenig Hoffnung und dem Mut zum Neuanfang
Dem Mut zum Weitermachen
Und ich will mich dem niemals ergeben
Ich will die Trümmer sehen
Will mich nach Ordnung sehnen
Will Trümmerkind sein, na meinetwegen
Will wieder auf aufgeräumter Oberfläche stehen
Und ja! Will auch unter diese Erde sehen
Vielleicht mal irgendwann irgendwas verstehen
Nichts bereuen davon – Ich will leben!