Raspeln

Die Süßholzraspeln
Haben wir längst aufgebraucht
Alles auf einmal verraucht
Für diesen einen echten Moment
Das ganze Geküsse und Haspeln
war es uns wert, ohne
Rechnen und Bitten, weil
dieses Kichern und Zwicken
von uns keiner vergisst
Also keine Tränen darüber
dass nun alles verbraucht ist
kein Zauberland mehr brennt
Denn diese Erinnerungen
Gab es geschenkt

Diagnosen

Es müsste mich jetzt schon
mehr berühren
Ich kenne doch das Wort
für das Gefühl
dann müsste man es jetzt
auch mal spüren
doch für erwartete Tränen
bleibt das Herz zu kühl

Man jagt nach dem Leben
sammelt doch nur Diagnosen
Wie viele Momente für diesen Augenblick
Bloßes Symptom in der Selbstkritik
Jede Liebe am Ende nur Psychosen
wenigstens eine Ahnung von Schweben

Bilder (verwackelt)

Diese kurzen Momente von Glück
(die ich heut endlich erkenne)
Wenn ich verwackelte Bilder sehe
Wo ich noch immer neben mir stehe
In der Verklärung von Zurück

Wichtig war, was man erlebt
dass man erinnern übertreibt
Weil der Rest Geschichte bleibt
die das eigene Herz nicht regt;

Wir waren doch die beiden Zeilen
zwischen dem Mitgemeinten
über lautes und leises Zweifeln

Wir waren der Leim
zwischen dem ungelenken Reimen
nach zu viel dunklem Wein

Dunkelzeit

Das Fenster läßt die Dunkelheit herein
Des Abends Kühle war schon hier
Denn alle Wärme floh mit Dir
Einsam war ich so noch nie, lediglich allein.
Man meint noch kurz, dass man sich kennt
Schon ist erneut alles verloren
Schwur nur wahr, so lang geschworen
Das einzig Feuer, das noch brennt
Ist Deine alte Kerze unter meiner Hand
Das letzte Licht, das noch nicht schwand
Dein Schatten hier an jeder Wand
Mehr ist mir nicht geblieben
Ich will sie für immer lieben
Wie das erste Ich, das ich erfand
In das Du Dich verliebtest
Nur das Nächste schon verriet es…

Süffiger Abgang (Meistersonett)

15 Süffiger Abgang (Meister)

Nur vor dem Auftakt war ich blind
So wiegt der Anfang schon so schwer
Leichte Herzen seien immer leer
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Nach vergessenen Namen fragen
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
Doch am Ende war ich stets bemüht
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Den Blick zur Sonne gerichtet
Das leere Herz in hohler Hand
War stumm, bis ich zur Sprache fand

Wird neue Hoffnung erdichtet
Nur weil hier ein Ende beginnt
Was längst aus allen Poren rinnt?