Süffiger Abgang XIV: Lieblingsentwurf

14 Lieblingsentwurf

Was längst durch alle Poren rinnt
Gehört schon lange nicht mehr mir
Jeder Tropfen Liebe galt nur Dir
Endlich weißt Du, dass es stimmt

Und endlich wird auch mir klar
Vom vielversprechenden Anfang
Bleibt nichts als süffiger Abgang
Zähflüssig und viel zu wahr

Nun kommt der Mond so schrecklich nah
So lieg ich nächtlich wachsam da
Warte, dass der Traum erneut beginnt

Sterne stehen so fern wie je
Bloß jetzt kann ich die Chancen sehn
Nur vor dem Auftakt war ich blind

Süffiger Abgang II: Gefühl

2 Gefühl

So wiegt der Anfang schon so schwer
Mit dem Beinah-Zuhaus-Gefühl
Im zärtlich-lauten Saitenspiel
brüchigharter Stimme nimmermehr

Doch jedes Wort ein ernster Schwur
erste Liebe; erstes Scheitern
erstes Horizonterweitern
Gefühl – Gefühl – L´amour

Nur ein leeres Herz ist leicht
Gerad wenn Heimat mir geschieht
Spielt irgendwer irgendwo Musik

Dann wirkt einmal nichts zu schwer
Und ich entscheide mich, vielleicht;
Leichte Herzen seien immer leer

Trugschluss

Als ich von Liebe noch nichts wusste
Und die Zeit so zäh verging
Hatt´ mein Herz noch warme Kruste
Ich bin heut noch halbes Kind

Alles war noch sanftes Spiel
Was zu Trugschlüssen verleitet
Nur nach Zeit verstand ich noch zu viel
Hätt´ ich Dich doch bloß begleitet

An Gabelungen links
Das war die Wegbeschreibung
Erst viel später eine Meinung

Und wenn Du heut das alte Lied singst
Dann nicht zur Unterscheidung
Sondern weil sein Text noch immer stimmt

Nistplatz Herzgewölbe

Du fährst mir zwischen meine Zeilen
Wenn Dein Zauber duftet
Du mir jede Luft bist
Ziehst Du mich aus der Leere fort
Schaffst einen Ort uns zum Verweilen
Wo wir beiden [unleserliches Wort]

Komm leg‘ mir den schönen Kopf und deine
Schweren Stunden auf die Schulter
Danke, dass Du so viel Geduld hast
Mich wirklich zwischen jedem Satz liest
So vergesse ich das Wort alleine
Weil Du mein Seelenfortsatz bist

Ich hatt‘ mich einfach so zu Dir gelegt
Und als wir in der Stadt des Ziegenkäses schliefen
Kartografierten wir uns alle unsre Tiefen
Erfanden es ganz neu zu lieben
Ach, zu wenig von dem, das mich bewegt
Steht jetzt wirklich hier geschrieben

Todeskuss

Todeskuss

Ich hab so lange sehr an Dich gedacht
Ganze Nächte, dazwischen die Tage
So dass ich jetzt einfach mal frage
Stimmt es, Du küsst Tote wach?

Das Leben fußt auf einer Nacht
In der Sehnsucht sich erfüllt
Oder ein Trugblid sich enthüllt
„Du willst mich küssen? Ja dann mach!“

Doch mit Wünschen soll man achtsam sein
Denn was man begehrt, das muss
Nicht das Glück schon sein allein

So war es auch am Schluss
Nach dem Mut um Zuneigung zu frein
Stellt´s sich raus als Todeskuss