Horizontsgezeiten

Horizontsgezeiten
Gelegenheit, erdachte Flügel auszubreiten,
zu spannen, bis an die Grenzen dieser Stille,
Reicht für einen letzten Nachtflug noch
allein der Rest an Wille
hier am Rand des nächsten Tages.

Ist ein Boden voller Poesie
auf abgetretenen Blättern
Anlauf mir genug
werden diese Wörterfetzen mir
doch noch zu Rettern?

kann Leere füllen
was sie hervorrief
mich noch verletzen
was so lange schlief
wovor ich so lang weglief
denn für Heldentaten
war ja nie das rechte Wetter

Bis zum Untergang der Sonne
Träume ich alte Lieder
Vom Gefühl, Erinnern zu verlernen
mit zu viel Regen im Gefieder
und dem dunklen Fleck im Nichts:

Ein Ort zwischen den Sternen.
Bis hierhin alles Vorgeschichte
von Musen, Fernweh
Scherbensammeln und Flügelweiten,
Horizontsgezeiten
Bis ich am Rand des nächsten Tags steh

 

Thermostat

In der Nacht des längsten Tages
dieses Jahres im blanken Erdenrund
erscheint die Hitze dieser Stund´
schweißgeperlt im Schatten einer Frage
um den offenstehend Mund der Klage
über all das Leid der Welt und ihren Witzen;
was uns noch hier hält, weshalb wir noch hier sitzen
herum wie um die Leere eines Sarges?

In längster Nacht des tiefsten Tages
bedeutet all die Wärme nichts hier draußen
denn angesichts des Dämmerns dort, von außen,
muss selbst ein ernstes Wort doch bald verstummen.
All der Aufschrei, bloß ein kurzes Summen
verteilt über das Licht der vollen Stunde;
der Kälte dieser Welt auf ihrer Runde.
Wessen Atem bedarf es da zu stocken,
wen hinter seinem Schlucken vorzulocken
im Sternenbild des ersten Schlages?

Wolkennacht

Die Welt voller Wolken

beschlagenes Glas

Lauter Regen im Fenster

Gedanken an Gras.

 

Kein Tropfen dringt ´rüber

Durch Stille und Stirn

Ein Glas voll Vergessen

Erinnerung ein Zwirn.

 

und hab ich nicht immer

nur gehofft es geht bergauf

Glauben verschwindet

an ein Leben zuhaus´?

 

War´s denn nicht so gut

War es nicht der gleiche Ort

Momente aus Zucker

Gilt es nicht mehr, unser Wort?

 

Die Welt ist aus Schweigen

aus Bildern falscher Zeit

und falls sie düster bleiben

wird der Weg zurück zu weit,

 

und all diese Zweifel

sind laut und egal

stetig vorhanden

so wie es immer schon war…