Abschiedsbriefe

Nur ein Leben in losen Zeilen
Zwischen all dem lauten Zeug und Kram
Das mit der Schwarzen Dame kam
Mit ihren Keilen unter jeder Tür
In allen Räumen nichts als Schweigen
Stille über allem Material
Viel zu leeren Zetteln in aschfahl.

Als verzweifelt mit ihr zu lachen
Kann man doch nichts dagegen machen
– dagegen dagegen, nie dafür –
Nur noch Abschiedsbriefe an die
Perverse Schattendame
Lediglich zwischen den Versen
Der Wunsch endlich zu heilen

Dunkelzeit

Das Fenster läßt die Dunkelheit herein
Des Abends Kühle war schon hier
Denn alle Wärme floh mit Dir
Einsam war ich so noch nie, lediglich allein.
Man meint noch kurz, dass man sich kennt
Schon ist erneut alles verloren
Schwur nur wahr, so lang geschworen
Das einzig Feuer, das noch brennt
Ist Deine alte Kerze unter meiner Hand
Das letzte Licht, das noch nicht schwand
Dein Schatten hier an jeder Wand
Mehr ist mir nicht geblieben
Ich will sie für immer lieben
Wie das erste Ich, das ich erfand
In das Du Dich verliebtest
Nur das Nächste schon verriet es…

Süffiger Abgang IX: Ohne Zeit

9 Ohne Zeit

Den Blick zur Sonne gerichtet
Schatten suchend, ungebräunt
aufgeräumte Sinne suchend
Tagwerk bereits nachts verrichtet

Die Lust von einst
Wird Lust zu zweit, zu dritt
Man kommt bald wieder mit
Ohne Zeit, da man alleine ist

Schatten findend, umgeräumt
Die Reise allzubald vorbei
Zeit zu viert galt als zu zweit

Wir schwinden, ungeträumt
Fern von Sicht auf Land
Das leere Herz in hohler Hand

Süffiger Abgang IV: Zwischen die Zeilen

4 Zwischen die Zeilen

Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind
Einladung, zu lang zu weilen
im klammen Raum zwischen den Zeilen
such ich hier nichts als diesem matten

wahrheitsgetreuen Erinnern
es findet keine Worte
für fiktive Orte
die durchs Dunkel schimmern

Nie gehbare Gestalten haben
Von Innen an der Schale schaben
noch keine eigene Stimme tragen

So hör ich nur ein schüchtern
Ausgesprochnes Flüstern
Nach vergessenen Namen fragen

Süffiger Abgang III: Schattenwurf

3 Schattenwurf

Leichte Herzen seien immer leer
Bäume tun, als ob sie blühn
Lasst mich bloß den Kürzten ziehn
Fällt das Atmen noch so schwer

Bemüht, die Mühe zu genießen
sich bis oben zuzuknöpfen
Kraft aus Ruhe zu erschöpfen
auf staubgesaugten Wiesen

Die fehlen dieser Gegend sehr
Wie dem zurückgelassnen Kind
sanfte Atemzüge fehlen

so lauf ich Herzen hinterher
Die wundervoll erzählen
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind