Horizontsgezeiten

Horizontsgezeiten
Gelegenheit, erdachte Flügel auszubreiten,
zu spannen, bis an die Grenzen dieser Stille,
Reicht für einen letzten Nachtflug noch
allein der Rest an Wille
hier am Rand des nächsten Tages.

Ist ein Boden voller Poesie
auf abgetretenen Blättern
Anlauf mir genug
werden diese Wörterfetzen mir
doch noch zu Rettern?

kann Leere füllen
was sie hervorrief
mich noch verletzen
was so lange schlief
wovor ich so lang weglief
denn für Heldentaten
war ja nie das rechte Wetter

Bis zum Untergang der Sonne
Träume ich alte Lieder
Vom Gefühl, Erinnern zu verlernen
mit zu viel Regen im Gefieder
und dem dunklen Fleck im Nichts:

Ein Ort zwischen den Sternen.
Bis hierhin alles Vorgeschichte
von Musen, Fernweh
Scherbensammeln und Flügelweiten,
Horizontsgezeiten
Bis ich am Rand des nächsten Tags steh

 

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Vermissen

Ist es das
was sie Vermissen nennen,
das Unkomplettsein
dieser große Schmerz,
da sucht das Herz
Synchronität, allein?
Das wollt ich niemals kennen.

Ist es das
was Sehnsucht heißt,
überall nur ein Gesicht zu sehen
und selbst der Blick auf schönste Sterne
bedeutet mir nichts mehr als Ferne
weil Gedanken sich nur um dich drehen,
wie du ja weißt.

Was es ist
das andere da meinen
weiß ich auch jetzt noch nicht,
doch dass du da bist, zwar nicht hier,
tröstet, denn es gibt ein Wir,
also bin ich fast glücklich
heute Nacht zu weinen.

Bestandsaufnahme 23.01

Bestandsaufnahme 23.01

Wieder keinen Schlaf gefunden
Nacht verbracht
Mit Kramen in Gedanken
Frühst um viere wieder auferstanden
Kaffee soll das leere Herz
Beflügeln
und erneut zu Schlagen animieren
Ohne Schmerz sich für den kommend Tag erwärmen

Ein Blick hinaus, es regnet sacht durch Dunkelheit
Konzentrier´ mich auf den Augenblick
Höre dann ein kleines Stück Musik
Vergesse bald, wie früh, wie spät
Vergesse alle Zeit
Bin bald abgeneigt vom Hin
Vielmehr noch vom Zurück
Vom Glück, das fehlt im momentanen Hirn

Nachtregen

Mein Kopf ist leergeschwemmt
Wie nach ´nem endlich endlosem Regen
Wie nach dem lang ersehnten alles zerstörenden Beben
Wie nach der Lawine die dies´ ganze Sehnen einfach mit sich nimmt
Nichts übrig lässt von mir
Mit all meinen abgenutzen Problemen
Meinen Trugbildern, meinen Schemen
Dem Schatten, den ich selbst auf meine Seele projizier´
All dem selbstprovozierten Mist
Der, na klar, immer noch vorhanden ist
Unter schönem Sein
Und dem bisschen Geröll
In den Pfützen noch stinkt
Ich hör ihr Gebrüll
Und ich hör das leise Wimmern
Das mir sagt; es ist nicht vorbei
Die Tränen trocknen und das Lächeln versiegt
Selbst wenn all das unter Oberfläche liegt
Es kommt nach, wird sich wieder erheben
Wieder Teil von mir sein
Und auch Teil von diesem „hier leben“
Wird mich wieder erreichen
Sich in die verdammt gereinigte Seele einschleichen
Ohne Rücksicht zu nehmen
Auf jeden weiteren reinigenden Regen
Lässt sich nicht nochmals verschwimmen
Von ein paar Tropfen Schweiß und einem Eimer voll Tränen
Von ein wenig Hoffnung und dem Mut zum Neuanfang
Dem Mut zum Weitermachen
Und ich will mich dem niemals ergeben
Ich will die Trümmer sehen
Will mich nach Ordnung sehnen
Will Trümmerkind sein, na meinetwegen
Will wieder auf aufgeräumter Oberfläche stehen
Und ja! Will auch unter diese Erde sehen
Vielleicht mal irgendwann irgendwas verstehen
Nichts bereuen davon – Ich will leben!

Gehirnsturm

Im Gehrinsturm leise taumelnd
Zwischen Traum und dem Delirium
Angetrunken von den überfüllten Gläsern
Süß´ster Nostalgie und bitterstem Erwachen
Wie lange war die Flucht ins Traumesland
Und wie lang noch, wann bleibt sie stumm
Die schrille stille Stimme, flüsternd?
Ach, wann hör ich Welten wieder lachen?

Strauchelnd in einem Meer aus Herz´ und Hirnen
Zwischen Schlaf und Wirklichkeit
Inmitten eines Meers aus leerem Denken
An alte Zeiten und den Neuanfang
Lass uns nochmal kämpfen mit Gestirnen!
Mit diesem ungeschlagen´ Heer aus Zeit!
Und lass uns einander nochmals schenken
Was diesem Leben fehlt so lang

Im Gehirnsturm sachte schwankend
Kann dies denn schon ein Ende sein?!
Zwischen Jetzt und der Vergangenheit?
Arm in Arm das Glück gegriffen.
Lass uns doch nochmal tanzen, wenn auch wankend
So betrunken von dem schönen Schein
Ohne einzelne Gedanken an die Zeit!
Nein, irgendwie haben wir noch nichts begriffen.

Und so, im letzten Sturme stehend,
Zwischen dir und mir im Untergang,
Inmitten all den Möglichkeiten!
Augen auf, ein Blick auf´s Spiegelbild,
Wir niederkniend, zum Himmel flehend,
Das Gestern möge rasch vergehen. Ach, Neuanfang!
Verspricht mir endlich glücklich´ Zeiten,
Wenn ich es bin, dem an nichts fehlt.

Süßer Duft, versprich es mir
Ich will dir folgen, jetzt und morgen
Einsam sein in deinen Armen
Glücklich sein mit deinem Segen
Bittrer Alltag hier in mir
Vergehe doch mit meinen Sorgen
Hab mit meinem Herz Erbarmen
Und zerstör das Hirn im kalten Regen!