Sommersonnen

Auch die kürzeste Nacht des Jahres

Sind acht Stunden Schicht

Dann genieße ich gezwungen Sonne

Denn schlafen kann ich so nicht

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Thermostat

In der Nacht des längsten Tages
dieses Jahres im blanken Erdenrund
erscheint die Hitze dieser Stund´
schweißgeperlt im Schatten einer Frage
um den offenstehend Mund der Klage
über all das Leid der Welt und ihren Witzen;
was uns noch hier hält, weshalb wir noch hier sitzen
herum wie um die Leere eines Sarges?

In längster Nacht des tiefsten Tages
bedeutet all die Wärme nichts hier draußen
denn angesichts des Dämmerns dort, von außen,
muss selbst ein ernstes Wort doch bald verstummen.
All der Aufschrei, bloß ein kurzes Summen
verteilt über das Licht der vollen Stunde;
der Kälte dieser Welt auf ihrer Runde.
Wessen Atem bedarf es da zu stocken,
wen hinter seinem Schlucken vorzulocken
im Sternenbild des ersten Schlages?

Erster Sonnentag

Der erste Sonnenstrahl der meine Haut umtanzt

Lockt mich lichtscheu-depressiven doch noch ausser Haus

Ruft mich, schreit nach mir, ich solle raus

Ausbrechen aus diesem Sumpf, in dem ich alsbald schon ertrank

Spüren diese Kraft, die selbst in mir noch neues Leben pflanzt

Fühlen, wie das Leben wachküsst mich so sanft

Und wenn ich doch und noch so oft in Selbstmitleid versank

Auch wenn ich schon den Strahl, den Lichtblick fast verpasste

Verschlossen’nen Auges jene Wärme grundlos hasste

Die mir nun das Liebste auf der Welt zu meinen glaubt

Und in meinem Glauben auch zur größten Liebe taugt

Mir genügen kann heut‘ Abend noch und morgen

Will mir nur ein Stück weit diese Wärme borgen

Als dass mein Herz aus eig’nem Mute wieder schlägt

Als dass mich borgend Licht auch durch finsterst Nacht noch trägt

Mich am Morgen wahnsinnig von Liebe dann erwachen lässt

An genau diesen Sonnenstrahlen halt ich mich allzu gerne fest

Wenn ich nur weiter spüre, schmecke, rieche diese Lebenskraft

Verliert das Leben so viel mehr von seiner beugend‘ Last

Mit dem ersten Sonnentag, der mein müdes Herz umtanzt