Süffiger Abgang (Meistersonett)

15 Süffiger Abgang (Meister)

Nur vor dem Auftakt war ich blind
So wiegt der Anfang schon so schwer
Leichte Herzen seien immer leer
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Nach vergessenen Namen fragen
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
Doch am Ende war ich stets bemüht
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Den Blick zur Sonne gerichtet
Das leere Herz in hohler Hand
War stumm, bis ich zur Sprache fand

Wird neue Hoffnung erdichtet
Nur weil hier ein Ende beginnt
Was längst aus allen Poren rinnt?

Süffiger Abgang XIV: Lieblingsentwurf

14 Lieblingsentwurf

Was längst durch alle Poren rinnt
Gehört schon lange nicht mehr mir
Jeder Tropfen Liebe galt nur Dir
Endlich weißt Du, dass es stimmt

Und endlich wird auch mir klar
Vom vielversprechenden Anfang
Bleibt nichts als süffiger Abgang
Zähflüssig und viel zu wahr

Nun kommt der Mond so schrecklich nah
So lieg ich nächtlich wachsam da
Warte, dass der Traum erneut beginnt

Sterne stehen so fern wie je
Bloß jetzt kann ich die Chancen sehn
Nur vor dem Auftakt war ich blind

Süffiger Abgang XII: Zeit für immer

12 Zeit für immer

Wird neue Hoffnung erdichtet
Dort, wo ein Tag beginnt
Man die Sonne besingt
Weil sie unser Negativ belichtet

Wieder etwas Dur – l´amour
Träume einfach verklären
Bis sie Mittelmaß mären
Der Duchschnitt der Nabelschnur

Versuche, wie man Zeit entrinnt
Werden Wundheilung nur schwächen
Bloß die Entzauberung von Welt

Ist das einzige Versprechen
An das die Zeit sich hält
Nur weil hier ein Ende beginnt

Süffiger Abgang IX: Ohne Zeit

9 Ohne Zeit

Den Blick zur Sonne gerichtet
Schatten suchend, ungebräunt
aufgeräumte Sinne suchend
Tagwerk bereits nachts verrichtet

Die Lust von einst
Wird Lust zu zweit, zu dritt
Man kommt bald wieder mit
Ohne Zeit, da man alleine ist

Schatten findend, umgeräumt
Die Reise allzubald vorbei
Zeit zu viert galt als zu zweit

Wir schwinden, ungeträumt
Fern von Sicht auf Land
Das leere Herz in hohler Hand

Süffiger Abgang V: Irrlichter

5 Irrlichter

Nach vergessenen Namen fragen
Mit Blick hinter die Schlieren
Keinen Verstand mehr zu verlieren
Also weiter dürre Träume jagen

Die eh wieder nicht größer werden
Bei Tag sofort zerfasern
Selbstvergessen, was sie waren
Müssen sie – wie alles Schöne – sterben

Das in Richtung Sonne fliegt
Ihren Schein als Irrlicht kennt
Jeden Lidaufschlag verbrennt

Aufgeschlagen vor mir liegt
Nur in Gedanken fliegt und
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt