Süffiger Abgang XII: Zeit für immer

12 Zeit für immer

Wird neue Hoffnung erdichtet
Dort, wo ein Tag beginnt
Man die Sonne besingt
Weil sie unser Negativ belichtet

Wieder etwas Dur – l´amour
Träume einfach verklären
Bis sie Mittelmaß mären
Der Duchschnitt der Nabelschnur

Versuche, wie man Zeit entrinnt
Werden Wundheilung nur schwächen
Bloß die Entzauberung von Welt

Ist das einzige Versprechen
An das die Zeit sich hält
Nur weil hier ein Ende beginnt

Süffiger Abgang VIII: verweilen

8 verweilen

Was lässt heut noch mein Herz erschlagen
Was trägt daraus noch Blüten
Schärft mir den Blick für Mythen
Diesem Ort vom Hörensagen

Dort wo Gift und Honig fließen
Will ich mich zur Ruhe legen
Ein zahmes Dasein pflegen
Das meine Träume gehen ließen

Nun endlich ein paar Takte Dur
An der Nachgeschichte schreiben
Bloß noch in Gesellschaft leiden

Waren die ganzen Tränen nur
Aus Angst vor Glück erdichtet
Den Blick zur Sonne gerichtet

Süffiger Abgang VII: Nach dem Aufschlag

7 Nach dem Aufschlag

Doch am Ende war ich stets bemüht
Mich nur sinnvoll zu verschwenden
Doch Sonnenstrahlen müssen blenden
Jeder Absturz scheint zunächst verfrüht

Das Hirn hat lang genug geblüht
Alles wegleben, was man kann
Bis im letzten Sonnenaufgang
Der Schein das Herz verglüht

Träume mich vom Himmel schießen
Mit Stich und Faden über den Rand
Ins Land, da Gift und Honig fließen

Wo Fragen nach dem Irgendwann
Mir an der alten Seele nagen
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Süffiger Abgang V: Irrlichter

5 Irrlichter

Nach vergessenen Namen fragen
Mit Blick hinter die Schlieren
Keinen Verstand mehr zu verlieren
Also weiter dürre Träume jagen

Die eh wieder nicht größer werden
Bei Tag sofort zerfasern
Selbstvergessen, was sie waren
Müssen sie – wie alles Schöne – sterben

Das in Richtung Sonne fliegt
Ihren Schein als Irrlicht kennt
Jeden Lidaufschlag verbrennt

Aufgeschlagen vor mir liegt
Nur in Gedanken fliegt und
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt

zoon politikon

Warum sollt´ ich politisch sein
in einer Welt aus Einsamkeit –
Einer Welt voll leerer Räume
Albträumen von den vielen
Engen Proletarierherzen
Den Eltern, die nichts vererbten
Als Schmerz und Schwielen
Arbeiterhänden, Dispo-
Grenzen an den falschen Enden
Stahlbeton statt Gold
Und schlechten Scherzen
Über alte Zeiten, Fleiß und Schweiß
In Spaßgesellschaft ausgehöhlter Träume
Dem letzten heißen Scheiß,
Dem Preis von Verschleiß und Abstellgleis –
in der ich mich stets versäume?