Als ich nicht mehr dabei war

Als ich nicht mehr dabei war

Die unerwartetesten Nächte
bringen die besten Geschichten
Ob diese dann noch echt sind
Wissen nur Narben zu berichten

Heute sind die Treffen nur Erzählerei
Von Zeiten wilder Zauberei
Bloß bei den neusten Zechen
War ich wohl nicht mehr dabei

Nicht dass wir Geschichten jagten
Das hätt sie nur zerstört
Da wir das nie hinterfragten
Haben wir jeden Ruf gehört

Die jugendlichsten Nächte
Lassen sich am besten erdichten
Und der Geschichten besten
Sind manchmal die ehrlichsten

Wie von Alkohol betäubt, doch
Ohne den Spaß zuvor
Das schöne Vergessen hat
Sich bis zuletzt gesträubt

Von lang vergessenen Nächten
Wissen nur Narben zu berichten
Doch die großen Geschichten, die echten
Sind die mit mir beerdigten

Jeder Eindruck drückt
Direkt auf zarte Saiten
An Schönheit gemessen
Bin ich jetzt fast verrückt

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Horizontsgezeiten

Horizontsgezeiten
Gelegenheit, erdachte Flügel auszubreiten,
zu spannen, bis an die Grenzen dieser Stille,
Reicht für einen letzten Nachtflug noch
allein der Rest an Wille
hier am Rand des nächsten Tages.

Ist ein Boden voller Poesie
auf abgetretenen Blättern
Anlauf mir genug
werden diese Wörterfetzen mir
doch noch zu Rettern?

kann Leere füllen
was sie hervorrief
mich noch verletzen
was so lange schlief
wovor ich so lang weglief
denn für Heldentaten
war ja nie das rechte Wetter

Bis zum Untergang der Sonne
Träume ich alte Lieder
Vom Gefühl, Erinnern zu verlernen
mit zu viel Regen im Gefieder
und dem dunklen Fleck im Nichts:

Ein Ort zwischen den Sternen.
Bis hierhin alles Vorgeschichte
von Musen, Fernweh
Scherbensammeln und Flügelweiten,
Horizontsgezeiten
Bis ich am Rand des nächsten Tags steh

 

letztes Jahr

Doch letztes Jahr
war es da nicht
noch hell um diese Zeit?
War nicht ohnehin
alles ganz anders
trotz des Schnees
schon weit und breit?
Schlugen die Uhren nicht
viel lauter
und unnachgiebig
war Zukunft nicht viel weiter
und wo war eigentlich ich?

Denn letztes Jahr
da war es doch
auch schon viel zu kalt?
Oder werden diese
Knochen doch
bereits bald alt?
Schlugen unsre Herzen
nicht viel leiser
unberechenbar
klang die Zukunft denn
viel ausgereifter
als in diesem Jahr?

Geruch von Flieder

Und die Jahre zwischen dir und mir.
Hier verringern sie sich wieder, unnachgeblich
Im Glanz des Mauerparks:
Gebrochene Erinnerung gelebter Träume
spiegelt sich im matten Glanz der Lieder,
schichtet sich auf ein paar Stunden,
unbesungene Momente noch im blassen Flieder,
gleich wie Staub zersprengter Welten.

Wozu Worte immer noch zu milde bleiben,
lassen keinen Raum für alte Fragen
denn bei all den trennend Orten:
Was verändern da und dort Sekunden,
die sich ziehen lassen bis Unendlich,
um dann endlich eine Träne doch zu schlucken,
doch zu sehen, dass Zeiten noch vergehen
und Raum sich ändert, unerlässlich,
Wände wachsen, unbestechlich,
Erinnerungen fortbestehen im Lauf der großen Welt.
Noch wenn nichts mehr zu erinnern übrig bleibt
man sich trotzdem genau hieran immer festhält.