Als ich nicht mehr dabei war

Als ich nicht mehr dabei war

Die unerwartetesten Nächte
bringen die besten Geschichten
Ob diese dann noch echt sind
Wissen nur Narben zu berichten

Heute sind die Treffen nur Erzählerei
Von Zeiten wilder Zauberei
Bloß bei den neusten Zechen
War ich wohl nicht mehr dabei

Nicht dass wir Geschichten jagten
Das hätt sie nur zerstört
Da wir das nie hinterfragten
Haben wir jeden Ruf gehört

Die jugendlichsten Nächte
Lassen sich am besten erdichten
Und der Geschichten besten
Sind manchmal die ehrlichsten

Wie von Alkohol betäubt, doch
Ohne den Spaß zuvor
Das schöne Vergessen hat
Sich bis zuletzt gesträubt

Von lang vergessenen Nächten
Wissen nur Narben zu berichten
Doch die großen Geschichten, die echten
Sind die mit mir beerdigten

Jeder Eindruck drückt
Direkt auf zarte Saiten
An Schönheit gemessen
Bin ich jetzt fast verrückt

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Glühwürmchen

die Laken der Erinnerung
sind stark verwühlt.
doch wärmen sie
das Herz im Herbst –
der letzte Sommer ist verkühlt.

nur such´ ich noch immer,
von zu kurzen Tagen umspült,
die kleinen Fetzen
vom großen Für Immer,
das schwach noch in mir glüht.

die Bilder kommen im Tagtraum
bisher ungefühlt.
doch der Versuch,
Glühwürmer zu fangen,
war wohl noch verfrüht.

und bloß genug Fotos zu machen
haben wir uns bemüht;
doch der letzte –
eine – große Sommer
ist längst verblüht.

Wolkennacht

Die Welt voller Wolken

beschlagenes Glas

Lauter Regen im Fenster

Gedanken an Gras.

 

Kein Tropfen dringt ´rüber

Durch Stille und Stirn

Ein Glas voll Vergessen

Erinnerung ein Zwirn.

 

und hab ich nicht immer

nur gehofft es geht bergauf

Glauben verschwindet

an ein Leben zuhaus´?

 

War´s denn nicht so gut

War es nicht der gleiche Ort

Momente aus Zucker

Gilt es nicht mehr, unser Wort?

 

Die Welt ist aus Schweigen

aus Bildern falscher Zeit

und falls sie düster bleiben

wird der Weg zurück zu weit,

 

und all diese Zweifel

sind laut und egal

stetig vorhanden

so wie es immer schon war…

Des Königs Exil

 

Der alte König in seinem Exil

Vergessen Vernunft

Vergessen das Leben

das von Kindesbeinen an

stetig gesucht –

und viel zu früh schon verloren.

 

Vergessen das Leben

das scheinbar gewählt

das scheinbar gewollt

das scheinbar gestorben

Vergessen die Angst

 

doch erinnert des Lebens,

des Lachens, des Weinens,

erinnert der Freude

am kindlichen Sein,

am Entdecken der Freiheit.

Entdecken der Welt –

nur ohne Furcht diesmal –

vor Zukunft und Früher;

 

erinnernd vergessen,

vergessend erinnern.

Kindesbeine in beigen Schuhen

so wandert er wieder:

Der König in seinem Exil

 

Der Blick wieder offen

Die Welt wieder weit

Alles wird größer

Man selbst wieder klein

Auch hilflos beizeiten

(unbeholfen so oft)

Fremd werden die anderen

Und fremd auch die Jungen

Bald Flucht in die Lieder

die so lang nicht gesungen

vertraute alte Gesänge

Inmitten neuer Welt

In der ihn Faszination nur noch hält

So wandert er wieder

Der alte König in seinem Exil