Süffiger Abgang (Meistersonett)

15 Süffiger Abgang (Meister)

Nur vor dem Auftakt war ich blind
So wiegt der Anfang schon so schwer
Leichte Herzen seien immer leer
Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind

Nach vergessenen Namen fragen
In nächtlicher Einsamkeit erkühlt
Doch am Ende war ich stets bemüht
Was lässt heut noch mein Herz erschlagen?

Den Blick zur Sonne gerichtet
Das leere Herz in hohler Hand
War stumm, bis ich zur Sprache fand

Wird neue Hoffnung erdichtet
Nur weil hier ein Ende beginnt
Was längst aus allen Poren rinnt?

Süffiger Abgang IV: Zwischen die Zeilen

4 Zwischen die Zeilen

Weil sie in die Zeit geworfne Schatten sind
Einladung, zu lang zu weilen
im klammen Raum zwischen den Zeilen
such ich hier nichts als diesem matten

wahrheitsgetreuen Erinnern
es findet keine Worte
für fiktive Orte
die durchs Dunkel schimmern

Nie gehbare Gestalten haben
Von Innen an der Schale schaben
noch keine eigene Stimme tragen

So hör ich nur ein schüchtern
Ausgesprochnes Flüstern
Nach vergessenen Namen fragen

Die Utopie des Ichs

Ich bin das Ich
das dies erlebt
ein schutzloses
das kein Geheimnis hat
sich darin zu verstecken
Was wär es ohne Wörter
die es erfindet, bei sich trägt
ohne Leerzeichen dazwischen
Dieses Ich, es geht
herum und hat es schwer
denn wo fängt das Erfinden an
wo hört die dünne Haut auf
auf die die Zeiten ihre
Zeichen kerben
Dieses Ich besteht
aus Trauer und Papier
aus allen Möglichkeiten
ohne Leid zu sterben
doch dieses Ich
besteht ja auch aus mir

Geruch von Flieder

Und die Jahre zwischen dir und mir.
Hier verringern sie sich wieder, unnachgeblich
Im Glanz des Mauerparks:
Gebrochene Erinnerung gelebter Träume
spiegelt sich im matten Glanz der Lieder,
schichtet sich auf ein paar Stunden,
unbesungene Momente noch im blassen Flieder,
gleich wie Staub zersprengter Welten.

Wozu Worte immer noch zu milde bleiben,
lassen keinen Raum für alte Fragen
denn bei all den trennend Orten:
Was verändern da und dort Sekunden,
die sich ziehen lassen bis Unendlich,
um dann endlich eine Träne doch zu schlucken,
doch zu sehen, dass Zeiten noch vergehen
und Raum sich ändert, unerlässlich,
Wände wachsen, unbestechlich,
Erinnerungen fortbestehen im Lauf der großen Welt.
Noch wenn nichts mehr zu erinnern übrig bleibt
man sich trotzdem genau hieran immer festhält.