Leibgedächtnis

In der ansonst entspannten Hand
verkrampft ein zitternd Stift zum Leid
wiegt in meiner Leere schwer wie Zeit
weigert jeden Strich über den Rand
wo verlorenes Paradiese dauert
sich Ewigkeit in Grenzen hält
einem immer noch was einfällt
hinter der koronaren Mauer
     doch die Worte sind schon schrumplig und blind
     von trockenverschwiegenen Tränen
     gestoßen und genutzt an jenen
     die mir zu groß geworden sind

Jetzt habe ich Abend mal genug
– und endlich endlich keine Zeit –
steht das Gedächtnis schon bereit
zählt die Fragen nach Lug und Trug
mir in die heut´ wieder scheue Hand
Dass wir mal gute Freunde waren
merkt man, wie alles, erst nach Jahren
Hab´s nicht vermisst als es verschwand

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Scherbensammeln

Scherbensammeln
Flügelweiten mit dem Stift
schon immer mit zittriger Schrift
alles festgehalten
um es loszulassen
alles geliebt
um bloß nichts zu verpassen;

Denn wo ein Weg ist
sei Wille,
wo ein Herz schlägt
Poesie

nur zu leise war es nie
noch sammle ich Geräusche
für die nächste große Stille

 

Düster – Regen

 

Niederschlag
gegen die Einsamkeit
schreiben wir an
bis wir sie auswendig kennen
sie perfekt intonieren
diese Traumlieder über Sehnsucht
die ja doch nur
an dunklen Tagen funktionieren,
wenn eh alles nach Regen schmeckt

trinken düster Bier
Gläser voller Zeit
auf paralleles Leben
auf Träume in Wasserfarben
die unsere Handschrift haben
auf Nähe im Weit
auf ein Dort im Hier
bis zum nächsten trüben Regen
unserem buntverschmierten Fleck

Düster – Schreiben

 

Bei einem düstren Bier
schreiben wir
gegen Einsamkeiten an –
Alles schmeckt nach Regen
nur das Reden haben wir
eingestellt
bis auf ein paar Flecke
schwerer Wörter.
Ob die Stille je gestört hat?
Und wie man sie hier nennt?

Eigentlich liebe ich
immer schon
am meisten die Narren,
den Hauch Zauberei
an vergeßlichen Tagen,
und die lose Malerei
in all diesen Sprachen,
die sonst keiner kennt.