Süffiger Abgang XIV: Lieblingsentwurf

14 Lieblingsentwurf

Was längst durch alle Poren rinnt
Gehört schon lange nicht mehr mir
Jeder Tropfen Liebe galt nur Dir
Endlich weißt Du, dass es stimmt

Und endlich wird auch mir klar
Vom vielversprechenden Anfang
Bleibt nichts als süffiger Abgang
Zähflüssig und viel zu wahr

Nun kommt der Mond so schrecklich nah
So lieg ich nächtlich wachsam da
Warte, dass der Traum erneut beginnt

Sterne stehen so fern wie je
Bloß jetzt kann ich die Chancen sehn
Nur vor dem Auftakt war ich blind

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Sternensterben

Diese ganzen schweren Texte
Über Staub zwischen den Sternen
Geist und Raum, den verwaisten Traum
Der Jugend, als mich diese Art
Mir zu schreiben noch verhexte
Magie in täglichen
Worten verborgen lag
Als mit dem Stern
Nicht gleich der Wunsch verstarb
Das leere Herz noch fern
Und unter Glück vergraben lag
Waren sie das letzte
Die das geheime Wissen um
Die Tränen in den Kissen barg
Und mir Mut zum weiterlesen gab.

Wiederwehr

Der Jugendträume Trümmer
Sind weder Fleisch noch Stein
Nicht aufgeräumter Schimmer
Der Eigenblendung Schein

Ist kein Ort zum lang´ Verweilen
Oder Wirklichkeitsgefunkels
Ist kein Wort, lebt unter Zeilen,
Zuflucht wundervollen Dunkels

Es sei ein Fundamente zarten Glücks
In seltner Heim- und Wiederkehr
Verwirklichung im Blick zurück
Hier wiegen Herzen wieder schwer
Und wer sich einst so leicht verlor
Der ist hier wieder wer

Halbschlaf

Die ganze Nacht im Halbschlaf
Mit auf links gedrehtem Herzschlag
Als Geistergestalt lieg‘ ich da
Sehr kalt spür‘ ich die Ferne nah
War nachts stets tiefer als am Tag

Wirre Träume aus Erinnerung und Sehnsucht
Die Lust zur Flucht nutz‘ ich nie gerne
Wo soll ich ohne mich auch hin
Aller Sinn und Unsinn der mich kreist
Ist Teil von einem müden Geist
Der die Sucht nach Zeit verbarg
Indem er zu oft zu den Sternen sah

Eine Geste im Raum

 Ein kalter Stuhl aus Schwere
inmitten dunklem Nichts
Darauf ein Hauch von leichtem Wahnsinn
ob all des zweifelhaften Lichts

 Ein Strudel fein aus Leere
unweit einer heißen Stirn
Unklar von welcher Seite
aus urheberlosem leichten Zwirn

 Ein verirrter Augenblick beginnt
von Echos und Visionen dann zu schweigen
Erfährt mit Fühlern das Genick
Will den Ausgang endlich weisen

 Finger einer unbekannten Hand
Schweifen ab von ihrer Suche
Schneiden Risse aufs Papier
rennen gegen jede fehlend Wand

 Sekunden voller Farben
Warten auf Gelegenheiten
Sehen Funken nicht im Brand
Verbünden sich zu bessren Zeiten

 Und ein endlich ungeladener Gast
In Verkleidung des spontanen Todes
Hebt die Gläser ohne Hast
Sammelt Worte voll des Lobes

 Eine seiner Gesten füllt den Raum
sammelt alle Augenblicke ein
Entwirrt den widerspenstigen Strudel
und flechtet einen letzten schönen Traum